Rundbrief  

Deutsche Rundbriefe 2017 - 2019

Juli 2017

Liebe Freunde

Erneut musstet Ihr lange auf einen Rundbrief von mir warten. Aber nun sind die aktuellsten Neuigkeiten von uns und unserer Arbeit hier in Kenia da. Ich nehme mir vor, dass Ihr in Zukunft öfters von uns lesen werdet und an unserem Alltag und unserer Arbeit hier in Kenia teilhaben werdet.

Während Ihr Euch an sommerlichen Temperaturen erfreut, hält hier der Winter Einzug. In den letzten Monaten war Kenia und Ostafrika oft in den Nachrichten. Grund war eine anhaltende Dürre, die in vielen Teilen des Landes zu Hungersnöten führte. Wir leben in einem sehr fruchtbaren Teil des Landes, wo es öfters regnet. Ausser den Lebensmittelpreisen, die in den letzten Monaten wegen der Dürre rasant in die Höhe schnellten, merkt man bei uns wenig davon. Wir sind auch dankbar, dass wir unseren eigenen Brunnen und somit immer genug Wasser haben.

Auch in den nächsten Wochen wird Kenia öfters in den Schlagzeilen stehen, da am 8. August wieder einmal Wahlen anstehen. Jedermann erinnert sich noch an das Chaos, welches nach der Bekanntgabe der Resultate im Jahr 2007 entstand. Kenia ist ein Land mit über 46 Mio. Einwohnern, die sich aus 42 Stämmen zusammensetzen.

Diese Vielfalt an Stämmen führte im Jahr 2007 zu Stammesfehden, Hass, Tod, Zerstörung, Plünderung und sehr viel Elend. Zwei Monate lang bangte das Land um Ruhe und Frieden. Wir hoffen und beten, dass zehn Jahre später die Wahlen friedlicher ablaufen werden und die Politiker sowie die Bevölkerung aus ihren Fehlern gelernt haben.

Wir hoffen und beten, dass zehn Jahre später die Wahlen friedlicher ablaufen werden und die Politiker sowie die Bevölkerung aus ihren Fehlern gelernt haben.

 

Neues aus Soweto

Eine Geschichte, die Hoffnung macht. Von einem unserer Kinder, welches wir unterstützen, sowie seiner Mutter... Malu lebt mit seiner Mutter und drei Geschwistern im Soweto-Slum von Nairobi. Er ist der Jüngste in der Familie. Sein Vater verliess die Familie im Jahr 2011 und nahm sich eine andere Frau. Seitdem unterstützt er seine ehemalige Familie überhaupt nicht mehr und kümmert sich auch nicht mehr um seine Kinder. Von den Kindern war Malu am meisten betroffen, als sein Vater die Familie verliess. Er vermisst ihn auch noch heute sehr. Die ganze Familie lebt in einem einfachen Zimmer in Soweto. Die Mutter unterstützt ihre Kinder so gut sie kann.  Ende 2011 besuchten unsere Mitarbeiter die Familie und wir beschlossen Malu in das Maisha Mema Patenschafts-Programm aufzunehmen.

Malu mit Fred und Albert, zwei unserer Mitarbeiter in Soweto

Im 2012 wurde der Junge im Clubhouse auf den Schulbesuch vorbereitet und seit Januar 2013 geht er in die Kifaru Primarschule. Er ist jetzt in der fünften Klasse.

Nach der Schule findet man Malu im Clubhouse, wo ihm mit den Hausaufgaben geholfen wird. Am Samstag trifft man ihn auf dem Fussballfeld an, wo er gerne Fussball spielt.

Die Mutter arbeitet in einer kleinen Slum-Schule in Soweto. Zuerst half sie als unausgebildete Lehrerin bei den Vorschülern. Als man sie nicht mehr als Lehrerin einsetzen konnte, wurde sie in die Küche versetzt, wo sie für die Kinder Mitagessen kochte. Die Mutter war jedoch darüber frustriert, da sie merkte, wie gerne sie die Kinder unterrichtete. Sie ist eine der wenigen Mütter, die einen Sekundarschulabschluss hat und deren Kinder wir  unterstützen.

Sie kam zu unserer Sozialarbeiterin und erzählte ihr, wie gerne sie zurück in die Schule möchte, um selbst noch eine Ausbildung zu absolvieren. Doch ihre finanziellen Mittel reichen dafür nicht aus, da sie die alleinige Verantwortung für ihre ganze Familie hat. Deshalb suchten wir nach einer Lösung. Nach weiteren Gesprächen mit der Mutter, besucht sie nun seit April 2016 das Unity College, wo sie als Vorschullehrerin (Early Childhood Education Teacher) ausgebildet wird. Die Ausbildung (Diploma – Level), welche zwei Jahre dauert, aber nur in den Schulferien stattfindet, wird von Maisha Mema bezahlt. Im Dezember 2017 wird sie die Abschlussprüfung schreiben, welche vom Staat anerkannt ist. Während dem Quartal unterrichtet sie jeweils wieder in der Slum-Schule. Ihre Vorgesetzten haben gesehen, dass sie eine gute Arbeit macht und haben ihr sogar eine Gehaltserhöhung gegeben!

 

Neues aus Tigoni

Seit dem letzten Rundbrief hat sich einiges in unserer Grossfamilie verändert. Wie erwähnt, wurden Ende letzten Jahres fünf Kinder in ihre Familien zurückintegriert. Wir pflegen weiterhin mit allen Kontakt und finanzieren ihre Ausbildung. Seit August 2016 sind acht Kinder neu zu uns gekommen. Es sind Geschwister aus drei verschiedenen Familien – das älteste Kind ist elfjährig und das jüngste knapp vierjährig. Das Durchschnittsalter unserer Kinder ist dadurch gerade um ein paar Jahre gesunken und der Lärmpegel um einiges gestiegen.  Alle haben sich gut in die Grossfamilie integriert, neue Freunde gefunden und sich auch in einen geregelten Schulalltag eingelebt. Nur die Jüngste ist noch nicht in der Schule. Sie leistet uns allen tagsüber Gesellschaft.

Mit Abigael, unserer Jüngsten

Wie Ihr wisst, haben wir eine Vielfalt von Leuten, die uns in Kenia besuchen. Heute möchte ich Euch an ein paar Eindrücken einer Volontärin aus der Schweiz teilhaben lassen. Niemand ist zu alt, um Volontär zu sein, denn diese Volontärin wird in Kürze pensioniert. Sie hat sich wunderbar in unserer Grossfamilie eingelebt und alle schlossen die neue „Grossmutter“ sofort ins Herz. 

„Hinter dem Ausgang des Kenyatta Airports wartete auf mich ein lächelnder Chauffeur mit dem Schild Maisha Mema in der Hand. Die Fahrt nach Tigoni (2100 M.ü.M) dauerte eine gute Stunde. Leider konnte ich in der Dunkelheit nicht  viel von der Umgebung erkennen.

Der Torwächter und zugleich Gärtner (Joseph) zeigte mir am ersten Tag die Umgebung. Er hat um’s Haus einen herrlichen Park gestaltet. Da spriessen Rosen, Sonnenblumen, Astern, Margriten, Kalla, Erdbeeren, verschiedene Sorten Passionsfrüchte, Bananen, Avocado, usw..

Der Hausvater (Wakariuki) ist auch zuständig für das Gewächshaus, welches er mit grosser Begeisterung betreut. Dort wachsen zurzeit verschiedene Sorten Tomaten. Im Aussenbereich seines Gartens wachsen Spinat, Kohlköpfe, Kale, Kräuter und vieles mehr.

Am Montagmorgen erkundete ich die nähere Umgebung des Mädchenhauses. Auf einem betonierten Platz fand ich zwei Frauen, eingehüllt in mehrere Schichten Kleider und schwitzend am Wäsche waschen. Ein Berg von Wäsche wartete auf sie. Nachdem auch die anderen Volontärinnen zu uns kamen, haben wir dann alle geholfen. Auf diese Art habe ich noch nie Kleider gewaschen. Die Wasserbecken am Boden stehend, das kalte Wasser laufend auf einem kleinen Kohleofen erwärmt bis es lauwarm war, die Wäsche mit viel Waschmittel von Hand oder mit einer Bürste malträtiert. Das Ganze wurde 2x mit kalt gespült und pflotschnass auf eine Leine gehängt,  wo es nach 2 Tagen trocken wurde. 

Am Dienstag durften wir Volontärinnen mit der Hausmutter auf den Früchte und Gemüsemarkt fahren. Dies war eine neue Erfahrung. Zuerst Rucksack und Schuhe in die Reparatur bringen und danach Süsskartoffeln, Avocados, Papaya, Knoblauch, Bohnen, Ananas, Bananen, Süssigkeiten und Fleisch kaufen. All diese Sachen wurden unterwegs deponiert und am Schluss von Trägern zum Auto gebracht. Es wird in Maisha Mema grossen Wert auf gute Ernährung gelegt, weil das mithilft, Arztbesuche zu vermeiden.

An einem anderen Tag räumten wir Volontäre den ganzen Inhalt des Raumes mit den gespendeten Schul-, Mal- und Bastelsachen aus. Nach dem Sortieren, in Kartons versorgen und anschreiben kam, alles wieder hinein. Nun sieht es dort gut aus und wer etwas braucht, findet es. 

Am Samstag war grosser Waschtag. Ab der 4. Klasse lernen die Kinder, wie sie ihre Kleider waschen und aufhängen sollen. Es ist auch wichtig, regelmässig die Schuhe zu pflegen. Nachdem die Kinder alle Ämtli und den Hausputz erledigt hatten, konnte ich mit ihnen total 60 WC- Kartonrollen anmalen, um später einen Wandschmuck daraus zu gestalten. Sie hatten so den Plausch am Malen mit Wasserfarben, dass sie noch weitere schöne Zeichnungen malten. 

Meine letzten Tage hier verbrachte ich damit, dass ich zwei ganze Tage Kleider geflickt habe, lehrte wie Serviettentechnik funktioniert und zitterte ob die Sanierung der Hauptstrasse meine Abreise zum Flughafen mit dem Auto zulässt. Es hat alles prima geklappt. Die Herzlichkeit, Offenheit und Zuneigung der Maisha Mema Family habe ich im Herzen mit nach Hause genommen. Ich weiss jetzt schon, dass ich nicht das letzte

Mal in Tigoni war.“ 

Liebe Freunde, wir freuen uns immer, wenn wir von Euch hören, und danken allen herzlich, die uns im Gebet und  finanziell unterstützen!

Herzliche Grüsse,

Jonny und Marianne

 

 

 

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