{"id":567,"date":"2021-04-14T10:12:00","date_gmt":"2021-04-14T10:12:00","guid":{"rendered":"http:\/\/maishamema.org\/de\/?p=567"},"modified":"2022-08-14T10:17:44","modified_gmt":"2022-08-14T10:17:44","slug":"rundbrief-2021-april","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maishamema.org\/de\/2021\/04\/14\/rundbrief-2021-april\/","title":{"rendered":"Rundbrief 2021 April"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Liebe Freunde<\/strong><br>&nbsp;<br>Als im M\u00e4rz 2020 der erste Corona Fall in Kenia bekannt wurde dachten wir nicht, dass ein Jahr sp\u00e4ter die Schlagzeilen immer noch von der Corona-Pandemie dominiert w\u00fcrden.&nbsp; Noch ist kein Ende in Sicht\u2026 Doch ich bekam vor zwei Wochen die erste Impfung.<\/p>\n\n\n\n<p>In Kenia gibt es seit sechs Wochen wieder strengere Auflagen. Es gibt zwischen 20 Uhr und 4 Uhr wieder eine n\u00e4chtliche Ausgangssperre. Wobei die Corona-Fallzahlen aktuell im Vergleich zu Europa niedrig sind. Wir sind dankbar daf\u00fcr, denn hier w\u00e4re das Gesundheitswesen bei rasch ansteigenden Fallzahlen schnell \u00fcberlastet. Die Betten der Intensivabteilungen sind hier schon l\u00e4nger voll belegt. Die Schulen blieben letztes Jahr sieben Monate geschlossen. Im Oktober durften zwei Primarschulklassen und eine Sekundarschulklasse zur\u00fcck an die Schule. Anfangs Januar durften nun alle wieder zur\u00fcck in die Schulen. Unsere Kinder freuten sich nach diesem langen Unterbruch, wieder ihre Schulzimmer betreten und ihre Freunde sehen zu d\u00fcrfen. Im \u00f6ffentlichen Raum, dies betrifft auch die Schulen, besteht eine Maskenpflicht. Gesichtsmasken und Abstandhalten ist ein ungewohntes Konzept und die Kinder m\u00fcssen immer wieder daran erinnert werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Neues aus Tigoni<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn mir Anfangs letzten Jahres jemand gesagt h\u00e4tte, dass unsere Kinder monatelang daheim sein w\u00fcrden, h\u00e4tte ich mich gewundert, wie dies wohl machbar sein w\u00fcrde. Das letzte Jahr war zweifellos intensiv, doch ich m\u00f6chte es nicht missen. Diese Zeit wird mir als einmalig in Erinnerung bleiben. Es gab zwar ab und zu Stress, Streit, Tr\u00e4nen, Langeweile, ein Gef\u00fchl von gefangen sein, keine Lust auf Schularbeit, null Motivation\u2026 Auf der anderen Seite gab es oft Gel\u00e4chter, stundenlanges spielen, manche Spiele wurden aus Not selber erfunden, viele Fussballmatches, ganze Nachmittage wurden Runden auf dem Velo oder den Skates gedreht, verschiedene Andachten an die wir uns alle erinnern werden, einen Talentabend, viele Gespr\u00e4che, Filmabende, Kinder, die im Garten, im Wald, bei den Tieren und in der K\u00fcche mitanpackten. Wir sind auch dankbar um unsere treuen Mitarbeiter, die monatelang bei uns auf dem Gel\u00e4nde lebten, und tagt\u00e4glich tolle Arbeit leisteten. Meine Agenda war leer. Ich hatte keine Sitzungen in den verschiedenen Schulgremien und genoss es daheim zu sein, in der K\u00fcche oder im Garten zu helfen. Die Buchhaltung wurde in Rekordzeit auf den neusten Stand gebracht. Ich konnte einem Kind beim Lesen lernen helfen, habe viel aufger\u00e4umt&#8230; und ich fand immer wieder Zeit selber ein Buch zu lesen, oder ein neues Kochrezept auszuprobieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Im August organisierten wir an einem abgelegenen Ort, nicht weit von uns entfernt, einen Ausflug. F\u00fcr die meisten Kinder war es nach vier Monaten das erste Mal ausserhalb unseres Gel\u00e4ndes. Es gab eine kurze Wanderung, Spiele, Spass und nat\u00fcrlich ein feines Picknick. Wir genossen den Tag in der Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Juli wurden wir von der Kinderbeh\u00f6rde gebeten, eines unserer M\u00e4dchen in eine Pflegefamilie zu geben. Wir bereiteten das Kind vor, waren beim ersten Kontaktkn\u00fcpfen dabei und erm\u00f6glichten weitere Treffen. Das M\u00e4dchen war aufgeregt und voller Vorfreude; sie konnte es kaum erwarten zu ihrer neuen Pflegemutter zu ziehen. An einem Sonntag brachte ich und Lilian, unsere Sozialarbeiterin in Tigoni, das M\u00e4dchen in ihr neues Zuhause. Sie lebte sich gut ein, besucht eine neue Schule und es gef\u00e4llt ihr dort. Nat\u00fcrlich hat sie schon probiert Grenzen zu testen und manchmal ruft uns die Pflegemutter an und bittet uns um Rat. In Kenia ist es anders als in der Schweiz. Eine Pflegefamilie kriegt hier keinen finanziellen Beitrag vom Staat. Sie muss alle Kosten selber tragen. Nach zwei Jahren kann die Familie einen Adoptionsantrag stellen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/maishamema.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/DSC_0013ed1-1-1024x762.jpg\" alt=\"Three children hugging\"\/><figcaption><em><strong>Jackie mit zwei der j\u00fcngsten Kinder<\/strong><\/em>.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Im November wurden wir von der Kinderbeh\u00f6rde in Nairobi angefragt ob wir weitere Kinder aufnehmen k\u00f6nnen, da ein Kinderheim wegen Misswirtschaft geschlossen werden muss und sie dringend Pl\u00e4tze f\u00fcr Kinder suchten. Wir entschieden uns, zwei 5-j\u00e4hrigen M\u00e4dchen, welche ausgesetzt gefunden wurden, ein neues Heim zu geben. Ende Januar, nachdem das Gericht sie uns zugesprochen hatte, kamen sie zu uns. Es dauerte nicht lange, bis sie sich, dank unserer Kinder, die sich ihrer sofort annahmen, bei uns einlebten. Nach wenigen Tagen schickten wir sie in die Vorschule. Sie hatten einen etwas holprigen Start, denn sie konnten weder bis auf F\u00fcnf z\u00e4hlen, das ABC aufsagen, noch Farben benennen oder einen Stift in der Hand halten. Dies sind \u00fcblicherweise alles Voraussetzungen um mit der Vorschule beginnen zu k\u00f6nnen. Zurzeit sind Schulferien und eine Lehrerin hilft ihnen jeden Morgen und sie machen Riesenfortschritte.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend eines knappen Jahres sind wir mit unserer Kinderschar sonntags nicht mehr in Kirche gegangen. Mitte Februar wagten wir uns nun alle wieder einmal in die Kirche. Die Kinder jubelten, als wir ihnen mitteilten, dass wir nun wieder zur Kirche gehen k\u00f6nnen. Nach so einem langen Unterbruch, hielten wir es f\u00fcr eine gute Idee, eine Kirche in der nahen Umgebung zu finden. Nach 20 Jahren in der gleichen Kirche in Nairobi, gehen wir nun im Nachbarsdorf zur Kirche. Wir wurden herzlich empfangen und f\u00fchlen uns wohl dort.&nbsp;Sonntags k\u00f6nnen wir nun ausschlafen, da wir nicht mehr um sieben Uhr losfahren m\u00fcssen, um rechtzeitig in der Kirche zu sein. In der neuen Kirche f\u00e4ngt der Gottesdienst und die Sonntagschule erst um 11h an und die Fahrt zur Kirche dauert nur zehn Minuten. Vor gut einem Monat wurden die Kirchen coronabedingt wieder geschlossen. Drei Sonntagsschullehrer\/innen kommen nun sonntags zu uns heim und halten die Sonntagschule bei uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehrere Kinder unserer Maisha Mema Familie haben letztes Jahr Verwandte verloren. F\u00fcr uns immer eine schwierige und traurige Aufgabe, dies den Kindern mitzuteilen. Zwei Geschwister verloren ihre Mutter, doch wir konnten wegen den strengen Auflagen des Staates mit den Kindern nicht einmal zur Beerdigung. Drei Schwestern verloren zuerst ihre Mutter an den Folgen von Aids und dann gegen Ende Jahr noch ihren j\u00fcngeren Bruder. Leah (unsere Hausmutter) und ich begleiteten die drei M\u00e4dchen beide Male zur Beerdigung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Aktuelles aus Soweto:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dank vieler grossz\u00fcgigen Spenden konnten wir letztes Jahr, nach dem Beginn der Corona-Pandemie, unsere Familien in Soweto alle zwei Wochen mit einem Essenspaket versorgen. Kurz vor Weihnachten verteilten wir das zwanzigste Lebensmittelpaket pro Familie. Die knapp 300 Familien waren enorm dankbar, dass sie trotz der schwierigen Lage, ihre Kinder t\u00e4glich mit Mahlzeiten versorgen konnten. &nbsp;Damit es beim Verteilen der Lebensmittelpakete nicht chaotisch zu und herging, hatten wir jedes Mal zwei Polizisten auf dem Gel\u00e4nde. Allein ihre Pr\u00e4senz half, dass Abstand eingehalten wurde und die Verteilung immer problemlos klappte.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehrere Monate durften unsere Lehrer die Kinder nicht im Clubhouse unterrichten. Ab Juli kamen dann wieder kleinere Gruppen ins Clubhouse. Die Kinder wurden nicht nur unterrichtet, sie lernten Masken n\u00e4hen, nahmen an verschiedenen Aktivit\u00e4ten teil und die Mitarbeiter hatten offene Ohren f\u00fcr ihre N\u00f6te.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen Ende Jahr organiserten wir f\u00fcr interessierte Eltern mehrere Workshops. Sie lernten selber Seife herzustellen, zu backen und zu dekorieren. Andere lernten wie man einfache Snacks zum Verkauf zubereitet. Eine weitere Gruppe wurde \u00fcber mehrere Monate im Schweissen geschult. Eine Anzahl Eltern wagte es, etwas Neues anzufangen. Mehrere kommen zu Florence, unserer Sozialarbeiterin, und erz\u00e4hlen ihr von ihren Erfolgen und bringen einen Teil ihrer Einnahmen, die wir dann f\u00fcr sie sparen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere N\u00e4herinnen haben die letzte zwei Monate Schuls\u00e4cke f\u00fcr alle Kinder der Primarschule gen\u00e4ht. Die Schuls\u00e4cke werden die Kinder im Juli kriegen, wenn das neue Schuljahr beginnt. Zurzeit leiten sie weitere Frauen an, die auch n\u00e4hen lernen m\u00f6chten. Mama Lydia, eine Mutter, die an den Folgen von Polio leidet, lernte mit der Strickmaschine zu stricken. Sie lehrt nun anderen interessierten Frauen ebenfalls das Stricken. <\/p>\n\n\n\n<p>Ende Jahr gab es einen gr\u00f6sseren Mitarbeiterwechsel in Soweto. Drei Mitarbeiterinnen verliessen uns und an ihrer Stelle haben wir einen neuen Lehrer und eine Lehrerin angestellt. Wir freuen uns \u00fcber ein motiviertes Team, das in dieser schwierigen Zeit tolle Arbeit leistet. W\u00e4hrend des letzten Schulquartals blieben jeden Abend zwei Lehrer bis um 20 Uhr im Clubhouse, da die Sch\u00fcler der siebten und achten Klasse abends dort ihre Schulaufgaben machten und Nachhilfe erhielten. Der Aufwand hat sich gelohnt, die Resultate der Primarabschlusspr\u00fcfung, die wir vor zwei Wochen erhielten, waren besser als in den vergangenen Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr all Eure Unterst\u00fctzung liebe Freunde bedanken wir uns herzlich. Es ist nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass Ihr unsere Arbeit w\u00e4hrend dieser schwierigen Zeit nicht vergesst. Die Kinder, Mitarbeiter, Jonny und ich sind Euch sehr froh und dankbar daf\u00fcr!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir w\u00fcnschen Euch gute Gesundheit und Gottes Segen!<\/p>\n\n\n\n<p>Marianne<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/maishamema.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/IMG20210204195822ed1-scaled.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/maishamema.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Marianne-1-3-1-975x1024.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Freunde&nbsp;Als im M\u00e4rz 2020 der erste Corona Fall in Kenia bekannt wurde dachten wir nicht, dass ein Jahr sp\u00e4ter die Schlagzeilen immer noch von der Corona-Pandemie dominiert w\u00fcrden.&nbsp; Noch ist kein Ende in Sicht\u2026 Doch ich bekam vor zwei Wochen die erste Impfung. In Kenia gibt es seit sechs Wochen wieder strengere Auflagen. 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